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Interview mit Marcel Wüst

Drei Fragen an Marcel Wüst

Mach dein Ding und beerdige den inneren Schweinehund!

Marcel Wüst fuhr in seiner aktiven internationalen Radsport-Karriere über 110 Siege ein, davon 14 Etappensiege bei Tour de France, Giro d’Italia und Vuelta a España. 2000 kam mitten in einer bis dato sehr erfolgreich verlaufenen der Tour de France das Karriereende: Bei einem Sturz verletzte er sich lebensgefährlich, verlor die Sehkraft auf dem rechten Auge und musste seine sportlichen Ziele begraben. Heute fährt er nach wie vor tausende Rad-Kilometer jährlich mit seinem Jedermann-Team und ist als Moderator und Motivator unterwegs, um andere zu überzeugen: Mach dein Ding und lass dich von niemandem aufhalten!

Wieso wirken Sie trotz gerade absolvierten Powerauftritts so tiefenentspannt?

Das ist meine Grundhaltung. Ich habe mich bewusst dafür entschieden und lasse mich nicht mehr aus der Ruhe bringen. Um runterzukommen, gehe ich oft nur drei Minuten in den Garten und guck in die Bäume, das hilft. Das erfordert natürlich ein bisschen Übung und geht auch nicht von jetzt auf gleich – man muss es nur wollen. Das macht glücklicher und zufriedener. Jetzt ruhe ich in mir selber.

Und wie passt da die Leistung rein?

Für mich als Sportler gilt: Wenn man etwas erreichen will, schafft man alles. Man trainiert auch darauf, das Maximale rauszuholen, man ist gewohnt, dass es nicht einfach ist – Man muss sich überlegen: „Was bin ich bereit dafür zu investieren“. Und da stellt sich ich natürlich auch die Frage: Tun mir meine Ziele gut? Wem will ich was beweisen bzw. ist es mir das wert, für eine sportliche Anerkennung eventuell körperlich an und über die Grenzen zu gehen und die Konsequenzen zu tragen? Auch außerhalb des Sports muss ich mir immer realistische Ziele setzen – deren Erreichen ist ein weiterer Motivationsbooster!

Sie sind immer noch top in Form – wie schafft man das?

Ich habe als Sportler natürlich ein ausgesprochen gutes Körpergefühl. Ich powere mich manchmal total aus, danach gönne ich mir aber auch was…ein (paar!) Kölsch und / oder Schokolade…so was liegt bei mir immer im Kühlschrank. Aber von Zeit zu Zeit mache ich nackt vor dem Spiegel eine Analyse meines Körpers. Wenn die nicht zu meiner Zufriedenheit ausfällt, dann lasse ich für einige Wochen konsequent Süßes und Alkohol weg – das ist einzig und allein eine Frage der Disziplin. Wenn ich das Gefühl habe, heute noch nicht genug getan zu haben, mache ich bei der Tagesschau ein paar Liegestütze – dafür hat man immer Zeit, aber selten Lust! Wer dranbleibt, der wird inneren Schweinehund irgendwann beerdigen – einen neuen dann bitte nicht anschaffen!